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Thomas Witzmann
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unter tage


 

 

 

Besetzung:
2 Fl, Ob, Kl, B-Kl, Fag, Hr, 2 Tr, 2 Pos, Tub, 3 Perk, 2 Vl, Vla, Vcl, 1 Tänzer
Werkdauer:
52'
Uraufführung:
02.02.1999, Köln, Philharmonie
gespielt von:
Helen Bledsoe, Camilla Hoitenga, Anja Miriam Schmiel, John Corbett, Frank Gratkowski, Alban Wesly, Jan Babinec, Marco Blaauw, Achim Gorsch John Kenny, Ivo Nilsson, Melvyn Poore, Thomas Meixner, Thomas Oesterdiekhoff, Dirk Rothbrust, Clemens Merkel, Joanna Becker, Vincent Royer, Gregory Johns, Ralf Harster. Leitung: Jonathan Stockhammer
Sonstiges:
Kompositionsauftrag der KölnMusik (Philharmonie)
Kurzbeschreibung:
Der Titel Unter Tage bezieht sich auf die unterirdische Lage der Philharmonie, das Verhältnis zwischen Musiker und Dirigent sowie die unterbewußte Wahrnehmung des Zuschauers. Außergewöhnlich wie das Klangereignis ist die zunächst leere Bühne: 17 Musiker sitzen im Publikum verteilt, 2 Posaunisten wandern im Raum, und hinter dem Dirigenten treibt Ralf Harster als grotesker Orchesterwart sein Unwesen.

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Presse:

Thomas Witzmann

Die Aktion zur Musik

Spannender Abend in Kölns Philharmonie

Der Triangel-Spieler, den einst der Kabarettist Georg Kreisler besang, hätte seine helle Freude gehabt: Triangel nämlich leiteten die Endphase in Thomas Witzmanns Werk "Unter Tage" ein. Der Komponist, Schlagzeuger und Klangbildner brachte dieses, sein jüngstes Projekt, in der Philharmonie zur Uraufführung. Der Titel zielt auf zweierlei: auf den Ort der Darbietung - unterm Kölner Pflaster gelegen - und auf die Hoffnung, der Zuhörer möge das Ereignis tief erfassen.

Vor der Schwerarbeit jedoch gönnte Witzmann dem Publikum ein paar Aperçus und musikalische Bonbons, in Form einiger, zum Teil auf Ensemble-Format veränderter Themen von Erik Satie. Ein Kammerorchester unter Leitung von Jonathan Stockhammer nahm sich der "Avant-dernières pensées", Descriptions automatiques" und "Embryons desséchés" an. Der Schauspieler Martin Reinke verlas dazu Aphorismen des kauzigen Meisters, und Pianist Klaus Steffes-Holländer ertastete die "Trois gymnopédies" sowie "Sports et divertissements".

Allesamt Dokumente eines Künstlers, der sich jeglicher Anpassung verweigerte, besonders kraß verdeutlicht in der "Musique d´ameublement": Miniaturen sozusagen als klingende Stücke einer Ausstellung; bitte nicht anhören, nur anschauen, mahnte Satie damals die Anwesenden bei der Vorstellung. Die "Mobiliarmusik" traf die Besucher jetzt sinnigerweise im Foyer, als Einstieg in die "Akzente" des Abends.

Von Satie bis Satire ist es nicht weit, nicht weiter als von Witzmann bis Spaß. Der Grenzgänger zwischen Neuer Musik, Improvisation und Musiktheater ist kein Komödiant, aber streng reglementierte Vorgaben wirken einfach eingängiger, wenn sie mittels optischer Einlagen aufgelockert werden. In "Unter Tage" schleppt ein Akteur hinter dem Rücken des Dirigenten Stühle und Notenständer heran, verschiebt sie hin und her, und treibt allerlei Schabernack. Die 19 Mitglieder des Orchesters - Streicher, Holz- und Blechbläser, Schlagwerker - sind im Saal verteilt, sie (etwa die beiden Posaunisten) verändern - so soll es sein - durch unterschiedliche Positionsbildung und -auflösung Höreindrücke und Gestaltung. Witzmann Ziel ist die Verzahnung von Aktion und Musik. Dabei manipuliert Mobilität die Wahrnehmung, verdrängt sie nicht. Rauminszenierung heißt das Zauberwort.

Dennoch muß man sich nicht in höhere Musikregionen versteigen, um ihn zu verstehen. Witzmanns Werke leben von der spontanen, akustischen Vermittlung des Augenblicks, diesmal in größerer Dimension als üblich.

Kölner Stadtanzeiger, 04.02.1999 (Martin Woltersdorf)
Noten:

 

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